So werden Patienten zu Kunden gemacht | Prof. a.D. Prof. med. Andreas Sönnichsen | dieBasis 2024
01.01.2025 #achtsamkeit #gesundheit #freiheit
Wir brauchen eine ganzheitliche, biopsychosoziale Gesundheitsfürsorge, um die industrielle Medikalisierung zu überwinden.
Die Medizin befindet sich in einer Krise. Die COVID-Pandemie hat gezeigt, wie anfällig die Menschen für Propaganda sind und wie leicht es ist, medizinische Maßnahmen über weite Teile der Bevölkerung durchzusetzen. Dies, obwohl sie nachgewiesenermaßen ihren Zweck nicht erfüllen, sondern Lobbyisten und ihren Komplizen zur Bereicherung dienen. Doch die Vorgeschichte zu COVID beginnt schon vor mehr als hundert Jahren mit den Anfängen der pharmazeutischen Industrie und der chemischen Synthese von Arzneimitteln. Besonders in den letzten Jahrzehnten ist das Missverhältnis zwischen Nutzen für den Patienten und Gewinnmaximierung unter Inkaufnahme von Schaden eskaliert. Dabei steigt der Kostenanteil für pharmazeutische Produkte im Verhältnis zu den Gesamtausgaben für Gesundheit immer weiter an, während uns vorgegaukelt wird, dass z.B. bessere Pflege nicht finanzierbar wäre. Ein Viertel der Bevölkerung über 60 Jahre nimmt täglich fünf oder mehr verschiedene Medikamente ein. Bei den über 80-Jährigen ist schon die Hälfte der Bevölkerung von dieser sogenannten Polypharmazie betroffen. Wie ein roter Faden zieht sich die übereilte Zulassung von Medikamenten und Impfstoffen aufgrund fehlerhafter Studien, ihrer breiten Vermarktung und ihrer Marktrücknahme Jahre später durch die Geschichte. Nebenwirkungen werden zuerst geleugnet und anschließend vertuscht. Nur selten werden Firmen verurteilt und noch seltener erfährt eine breite Öffentlichkeit davon. Die Branche hat alle Bereiche in Wissenschaft, Medizin und Politik infiltriert, um ihre Gewinne zu steigern, ohne dass es hierdurch – von wenigen Ausnahmen abgesehen – zu einer Verbesserung der Gesundheit kommt.
Der Vortrag zeigt die Probleme der zunehmenden, gewinnorientierten Medikalisierung auf und skizziert den Weg zu einem menschenzentrierten, neuen Gesundheitssystem, das anders als die derzeit vorherrschende mechanistisch-reduktionistische Reparaturmedizin auf Eigenverantwortung, Selbstheilungskräfte, natürliche Heilmethoden und eine empathische, partizipative Beziehung zwischen Behandler und Patienten setzt. Das letzte Wort für jegliche medizinische Behandlung muss immer beim Betroffenen selbst nach ehrlicher Beratung und umfassender Information liegen und niemals bei einem patriarchalisch agierenden Behandler, geschweige denn bei der pharmazeutischen Industrie und ihren Mietmäulern oder gar beim Staat.
Andreas Sönnichsen ist Facharzt für Innere Medizin, war zuletzt von 2018-2022 an der Medizinischen Universität Wien Leiter der Abteilung für Allgemein- und Familienmedizin und von 2019-2021 Vorsitzender des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin.
Der Vortrag fand am 10. Dezember 2024 in Wiesbaden statt. Wir danken dem KV Mainz für die Aufzeichnung.
Die Vortragsfolien finden sich hier zum Download: https://www.diebasis-mainz.de/2024-12...